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Buch-Information:
»Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur«


Zur Neuerscheinung des Buches von Dr. Peter Hawel




INHALT



Vorwort des Buches

In Museen, Ausstellungen, Kirchen und Schlössern können wir die verschiedensten Kunstwerke, vom einfach bearbeiteten Gegenstand der menschlichen Frühzeit bis hin zum Environment der Moderne, bewundern und erleben; ja selbst die Gebäude, die Kirchen, die Klöster, die Schlösser, die Rathäuser, die Hospize und ähnliches mehr wie beispielsweise Gärten oder Brücken, gelten uns als Werke der Kunst. Zahlreiche kunsthistorische Wörterbücher helfen dem Betrachter, die allgemeinen Stilmerkmale der Epoche, die jeweilige Eigenart der Meister und ihrer Werke zu erkennen und zu verstehen. Die Materialien, die Technik usw. sind darin gründlich beschrieben.

Doch wie verhält es sich mit dem geschichtlichen Wissen zu den einzelnen Kunstwerken? Ein Schloß wurde vom Kurfürst von Köln erbaut, ein Park vom Großmeister des Malteserordens angelegt oder eine Kirche von den Landständen gestiftet, diese wiederum von einem Hofmaler freskiert. Auf Tafelgemälden finden wir Personen wie Hofmeister, Großinquisitor, gefürstete Äbtissin oder Komtur dargestellt. Wer kennt heute noch diese Ämter oder Begriffe?

Wir besuchen eine ehemalige freie Reichsstadt, besichtigen das Zeughaus, speisen im ehemaligen Pfleghof eines Klosters und bewundern das Gewandhaus bzw. ein Zunfthaus. Vor der Stadtmauer befindet sich vielleicht ein Zwinger, und weiter draußen liegt mit kleiner Kirche das sogenannte Leprosenhaus. Artistenfakultät und Bursa verweisen auf eine alte Universitätsstadt, und zahlreiche Bettelordenskirchen, Beginenhäuser und Geschlechtertürme zeugen von einer ehemals blühenden hochmittelalterlichen Stadt. Dies alles waren einst geschichtlich bedeutende Einrichtungen, die mit Ornamenten, mit besonderer Architektur und Bildwerken ausgezeichnet wurden; doch wir können nur noch die Kunstwerke bewundern, die Geschichte bleibt uns fremd.


Auch in der umfangreichen Tafel- und Wandmalerei des Abendlandes finden wir fast ausschließlich geschichtliche, heilige und mythologische Figuren aller europäischer Epochen bis hin zu den alten Griechen und Römern. In Gemälden der Renaissance beispielsweise sehen wir Leda mit dem Schwan oder Herkules, seine zwölf Taten verrichtend. In barocken Fresken tun wir aber nicht nur einen Blick in den christlichen Himmel, häufig findet man Darstellungen des antiken Olymp mit dem gesamten griechisch-römischen Götterreigen. Auf antiken Münzen zeigen sich Helios, Athena oder Roma, doch ohne die Kenntnis der Mythologie bleiben uns diese Gestalten, das Dargestellte letztlich ein Rätsel.

Aber wir brauchen nicht bis in die alte Antike abzuschweifen, denn wer kennt noch die Heiligengestalten des christlichen Abendlandes, die uns in unzähligen Bildern, Fresken und Statuen, von der Romanik bis zur Romantik, also von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jh. überliefert sind? Die berühmten und gelehrten Frauen wie Katharina von Alexandrien, Birgitta von Schweden oder Teresa von Avila, wer kennt ihre Werke oder ihre Bücher? Bekannter sind zwar die männlichen Heiligen wie Augustinus, Ambrosius, Nikolaus oder der hl. Franziskus, doch was weiß man wirklich von ihnen?


Ähnliches läßt sich von alten Münzen und Zahlungsmitteln sagen. Taler, Dukaten, Pfund, Schilling, Batzen oder Guldiner, wir kennen die Namen, doch ihre Herkunft, ihre Verbreitung und ihren Umlauf? Nicht besser geläufig sind die alten Hohlmaße wie Scheffel, Fuder oder preussischer Eimer, ganz zu schweigen von den zahlreichen römischen Münzen. Wer weiß um die Provinzen des römische Weltreiches wie Noricum oder Pannonien, das römische West- und Ostreich, die ehemaligen Reiche der germanischen Völkerwanderung, das Merowinger- und Karolingerreich, die das Abendland und seine Kultur, seine Kunstwerke prägten? Nicht besser ist es um die Kenntnis der Kelten und der germanischen Mythologie bestellt.


Diesen Mangel zu beheben, hat sich das vorliegende Buch zur Aufgabe gemacht, wobei als Ausgangspunkt und Grundgerüst die üblichen kunstgeschichtlichen Begriffe dienen. Man findet also die gängigen Stichworte, doch werden diese durch ein Verweissystem in ihren geschichtlichen Zusammenhang gestellt. Nehmen wir das Beispiel Barock, so findet man unter diesem Stichwort nicht nur die Bedeutung und Geschichte jener besonderen Stilepoche, sondern Verweispfeile führen zu sachlich nahestehenden Begriffen wie Muschel, Perspektive, illusionistische Architekturmalerei, Stuckmarmor, Fassade, Stuck, Cherub, Putto, Bandelwerk, Akademie, Bollandisten, Collegium germanicum, Gallica sacra, Jesuiten, Magdeburger Centurien, Mauriner oder Oratorianer; ebenso aber auch auf das Ende jener Zeit, die Säkularisation. Übersichtskarten wie die Epoche der Völkerwanderungszeit, der römischen Kultur u.a. entsprechen ähnlichen praktischen Erwägungen, auf einen Blick das Ganze zu erfassen; die Karten wurden eigens dafür gefertigt. Eine Zusammenstellung der römischen und deutschen Herrscher, von Augustus bis Wilhelm II., sowie der wichtigsten Stammbäume runden das Werk ab. Kurz, es wurde der Versuch unternommen, die kunstgeschichtlichen Begriffe in den notwendigen Gesamtzusammenhang zu stellen und, wo nötig, durch Strichzeichnungen zu veranschaulichen, um direkt vor Ort eine historische Einordnung zu ermöglichen.

Am Ende des Buches findet sich eine Zusammenstellung von Standardwerken, Wörterbüchern und Lexika, die jeweils zu unseren Stichworten ausführlichere Artikel mit Literaturangaben besitzen.

— Dr. Peter Hawel —
2.8.2002


Ein Lesebeispiel aus obigem Buch finden Sie unter dem Link neuFarbe in Kunst und Architektur — Über die Hintergründe der Farbbedeutungen.

Das "Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur" von Dr. Peter Hawel ist inzwischen im Hawel-Verlag erschienen. Näheres dazu siehe:


zu: Lexikon zur Kunst und Geschichte abendländischer Kultur (HAWEL-VERLAG)

Dr. Peter Hawel:
Lexikon zur Kunst und Geschichte
abendländischer Kultur
(Hawel-Verlag)

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